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Wie wahr war „analog“?

Moin zusammen!

Seit einiger Zeit benutze ich – ich hab‘ es im vorherigen Beitrag erwähnt – im Internet gekaufte LR-Presets. Diese Presets sind in aufwendigen Testreihen so entwickelt worden, dass sie die Eigenschaften von Dia- oder Farb- oder SW-Filmen möglichst exakt nachbilden. Meine neueste Anschaffung aus diesem Preset-Portfolio ahmt Diafilme nach. Diafilme hatten immer eine sehr knackige, farbstarke Anmutung – prima für meine Bornholm-Langzeitaufnahmen, dachte ich mir. Als ich eben mit der Bearbeitung fertig war und die Vorher-/Nachher-Ansicht aktivierte, war ich dann doch ein bisschen erstaunt, wie weit sich das Ergebnis vom Ausgangsbild entfernt hat:

ooC-vs-KodakE100VS

Nicht das ich das bearbeitete Bild (ich habe neben dem Preset „Kodak E100VS Landschaft“ übrigens nur Weißabgleich, Belichtung, Kontrast, Lichter, Tiefen und Schwarz angepasst) nicht gefällt – im Gegenteil, ich find’s klasse! Gibt es doch meine vor Ort empfundene Stimmung sehr überzeugend wieder. Aber dichter am Original ist (besonders was die Wiedergabe der Granitfelsen anbelangt) das Bild, so wie es die Kamera aufgezeichnet hat. Zu analogen Zeiten wäre mir der Unterschied so krass nie aufgefallen: Die Dias hätte ich ja erst zu Hause gesehen und nie mit dem Original vergleichen können. Wahr wäre für mich gewesen, was auf dem Dia zu sehen ist. Heute bestimmen wir, was die Wahrheit in einem Bild ist. Und wahr ist für mich, wenn ich meine Gefühle in dem Bild wieder finde.

In diesem Sinne: Bleibt munter!

Euer Jörg

  • Jürgen8. November 2013 - 13:13

    Hallo Jörg,

    du hast dir als Preset einen wunderschönen Film rausgesucht. Leider wird bei den schönen Presets heutzutage immer vergessen, dass dahinter ja auch wirkliche Filme stecken (könnten).

    Du hast auch vollkommen recht, dass die Aufnahme aus der Kamera der Realität näher ist.

    Jedoch bedeutet analog ja nicht reale Farben. In der analogen Zeit (und so wird es auch heute noch gemacht) werden die filme nach den gewünschten Farbeigenschaften ausgesucht. Das bedeutet, das was du heute mit deinen Presets erzeugst, wurde früher auch schon erzeugt, nur mit dem jeweils passenden Film. Das Preset, welches du verwendet hast ist ein Kodak Ektachrome. Dieser Film hat sehr spezielle Eigenschaften, er zeichnet sich aus, durch eine überdurchschnittliche Farbsättigung mit einem Hang zu warmen Farbtöne. Das wird bei deinem Bild deutlich.

    deshalb hast du vollkommen recht, mit deiner Frage, wie Wahr analog war. Aber ich stelle jetzt auch die Frage, wie wahr ist den digital, wenn ich mir Plattformen wie 500PX anschaue. Und die weitere Frage:
    Wollen wir wahre Bilder, oder schöne?

    Wenn ich mir deine Bilder so anschaue, sind sie nicht wahr, sonder sehr schön und das ist M.E. wichtiger in der Fotografie.

    In diesem Sinne: analog war früher mehr als man heute denkt oder anders rum: digital ist nicht mehr als früher analog war – alles war und ist möglich.

    Viele Grüße Jürgen

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