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131/366 Küstenkind

Sonntag + Sonne = Ausflugszeit! Also bin ich nach Löwenzahn, Maus und Mittag mit dem Mörchenauto zur Tour rund um den Müritzsee aufgebrochen. Flink ein paar Orte mitten im Nationalpark ins Navi eingetippt, Routenoption „kürzeste Strecke“ gewählt und die Nachfrage „unbefestigte Wege zulassen?“ todesmutig mit ja bestätigt. Erfahrungsgemäß tuckert man dann mit TomTom abseits der Hauptstraßen durch die Gegend, gelegentlich unter Einbeziehung von Schotterpisten oder Betonschienenwegen. Nicht so in Mecklenburg-Vorpommern! Als Mörchen und ich das erste Mal den Asphalt unter den Rädern verließen, war das gleich für knapp acht Kilometer – und es war eine Buckelpiste der Extraklasse. Höchstgeschwindigkeit zwanzig Kilometer pro Stunde, durch einige Löcher sind wir nur im ersten Gang geschlichen! Dabei hatte ein ganz seriös wirkendes Hinweisschild in die Richtung gezeigt, aber das muss hier wohl nichts bedeuten. Deshalb dachte ich mir auch nichts, als am Ortsausgang von Krienke (Hallo Sonja! ????) dieses Schild stand und mir den Weg zum nächsten Etappenziel wies:

Der erste Waldweg hatte auch nicht besser ausgesehen, sich aber als befahrbar herausgestellt und mich nicht in die Irre geführt. Das sollte sich hier ändern. Vielleicht hätte ich gewarnt sein müssen, als vor mir ein Allrad-Pickup in den Weg einfuhr… Na gut Reha heißt Entspannung, da macht das Hirn dann schon mal Pause – Mörchen und ich also hinterher. Was nun kam war mehr Camel Trophy als Sonntagsausflug: Der „Weg“ war als solcher kaum auszumachen. Anfänglich gab es noch Fahrspuren, dann nur noch niedergedrücktes Gras (wo ist bloß der Pickup hin verschwunden?) und dann kamen fünfzig Meter Treibsand! Als ich das realisierte, war es zum Bremsen längst zu spät. So versuchte ich ein Steckenbleiben durch mehr Geschwindigkeit zu vermeiden – was auch gelang. Es fühlte sich nur einigermaßen beängstigend an, wie mein kleines Töff über die im Sandbett eingearbeiteten Baumwurzeln rumpelte. Nach dieser Sonderprüfung ging es einige hundert Meter am Waldrand entlang weiter, als unser Vorankommen je durch einen quer auf der Spur liegenden Baum gestoppt wurde. Vom Pickup war immer noch nichts zu sehen. Quasi vom Erdboden (Treibsand?) verschluckt. Wie kann ein großes, etwa zwei Tonnen schweres Fahrzeug sich einfach in Luft auflösen? Und was hat mich bloß geritten diesen Scheißweg zu befahren? Vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon bei der zweiten Passage der Sanddurchfahrt scheitern und fragte mich insgeheim, wie ich den Jungs vom ADAC wohl meine Koordinaten zwecks Entsendung eines Abschleppers zukommen lassen sollte. Letztlich sind wir dann doch wieder sehr souverän aus dieser Nummer herausgekommen – wenn ich die Geschichte erzähle. Könnte Mörchen reden, würde er sich bitterlich über einige Prellmarken am Unterboden beschweren.

Warum ich diese Episode in so epischer Länge erzähle? Weil es mit Abstand das Spannendste am ganzen Tag war. Weder war der Ort Röbel so reizvoll, wie ich es mir nach der Lektüre des Reiseführers ausgemalt hatte, noch gab es irgendwo an diesem großen See eine Stelle, wo ich einen schönen Blick auf die Wasserfläche gehabt hätte. Öffentlich zugängliche Stege (von den sterilen, neu errichteten für die Tourischifffahrt abgesehen)? Fehlanzeige! Außerdem reicht der Privatbesitz zumeist bis an das Ufer.

Keine Frage ist die Gegend schön und sie ist bestimmt toll zum Rad fahren. Vielleicht entdeckt man dann auch die richtigen Fotospots, aber nach heute muss ich sagen: Motive, wie ich sie mag – klar, reduziert, einfach – finde ich an der Küste Nordfrieslands.

An den kommenden Wochenenden werde ich mich mehr auf die größeren Städte konzentrieren. Vielleicht springen dort ein paar Bilder heraus.

Munter bleiben!

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