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60/366 Pippi Langstrumpf

Moin zusammen!

In der Tagungsstätte Tannenfelde bei Aukrug hatte unser rühriger und hoch engagierter Vorsitzender des Landeselternbeirats der Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein zur Sitzung eingeladen und fast alle Delegierten (und Stellvertreter) waren gekommen. Mir war die Tagungsstätte nur namentlich bekannt, vor Ort war ich bis heute noch nie. Als ich in den Raum „Föhr“ kam, in dem alles perfekt vorbereitet war, war ich ernsthaft beeindruckt. Alles was man sich so vorstellt war da: Namensschilder, Blöcke, Stifte, Tassen, Gläser, kalte und warme Getränke, sogar DextroEnergen. Klasse. Hab dann gleich mal ein Bildchen geknippst.

Aber dann ging es los. Ein Herr vom IQSH war eingeladen uns in Sachen „DigitalPakt“ ins Bild zu setzen, was er dann auch in epischer Breite getan hat. Ich weiß jetzt zwei Dinge, erstens ist das Ganze ein wahnsinnig komplizierter Verwaltungsakt, in dem jede einzelne Schule für sich allein einen Weg definieren muss zu einem Ziel, von dem sie nicht einmal weiß wie es aussieht (Kollaboration – Fehlanzeige). Zweitens sollen einfach Dinge, statt  sie zu hinterfragen, in die digitale Welt herüber gerettet werden. Ein Beispiel dafür sind Schulbücher. Es soll eine Schnittstelle eingerichtet werden, die einerseits die Daten der SuS schützt, andererseits ihnen den Zugriff auf die Angebote der Schulbuchverlage ermöglicht. Die Kids blättern also zukünftig nicht in einem Buch sondern in einer PDF. Wo ist da der Fortschritt? Na, in der Präsentation, sagt der Ex-Geschichtslehrer vom IQSH – da gibt’s statt eines Bildes gleich ein Videoclip. Das nenne ich mal einen großen Schritt nach vorn! Nicht das man den Clip (egal welchen!) nicht auch im Internet finden könnte… Gegenvorschlag gefällig? Wie wäre es denn, wenn zukünftig alle Lehrenden ihre Unterrichtsmaterialien in einer Schulcloud teilen würden? Deutschlandweit. Vielleicht sogar europa- oder gar weltweit? Jede Fachlehrkraft bereitet den Unterricht für sich alleine vor. Was für eine Verschwendung! Warum nicht teilen? Neue Ideen durch Kolleg*innen bekommen? Gutes weiterentwickeln? Über den Tellerrand gucken? Das wäre eine Innovation, die ohne Digitalisierung nicht möglich sein würde. Aber was passiert? Alter Wein in neuen Schläuchen. Und was ist das Schlimmste? Es wird nicht einmal hinterfragt!

Ebensowenig wird die vermehrte Einrichtung von Tablet-Klassen hinterfragt. So spricht sich beim Mittagessen ein Delegierter für diese Variante der unterrichtlichen Versorgung mit digitalen Endgeräten aus. Auf meine Frage nach dem Grund sagt er „weil das einheitlicher ist“. Das reicht mir nicht, ich bohre weiter und er dreht sich im Kreis. Für ihn machen eben alle in der Schule gleichzeitig mit identischer Ausstattung dasselbe. Nun komme ich aber von einer Schule, die beweist, dass es anders hervorragend funktionieren kann – mit „bring your own device“ und ohne Schulbücher. Ich bin ganz klar die Pippi am Mittagstisch, um mich herum nur Annikas und Tommys.

Und als zum Thema „Lernen als Pubertier“ von einer Dame die Bemerkung kommt „Da mussten wir alle durch.“, kommentiere ich mit einem frostigen „Na, dann ist ja alles gesagt!“ und für den Rest der Mahlzeit herrschte Stille am Tisch. In dem Moment fiel mir Astrid Lindgrens liebenswerte Göre ein und ich wollte zurück in meine Schule „Villa Kunterbunt“.

Nach dem Essen wurde es inhaltlich nicht besser. Es kam Alltagskleinkram zur Sprache, den ich im LEB nicht zu hören erwartet hätte und dickere Bretter (z.B. die angeblich sinkende Qualität des Matheunterrichts) wurden nur oberflächlich angekratzt. Dabei wäre es ja vielleicht durchaus sinnvoll sich einmal Gedanken zu machen, was denn in Mathe unterrichtet werden soll, um daraus dann ggf. Forderungen nach Reformen an die Politik abzuleiten. Aber nach rund acht Stunden mit nur zwei DextroEnergen, war meine Aufmerksamkeitskurve in unmittelbarer Bodennähe, um noch einen derartigen Vorschlag einzubringen.

Fazit des Tages: Während die vielen Villabajos noch die e-Mail Adressen ihrer Elternvertretenden zusammensammeln hat Villarriba schon ganz andere Dinge auf der Agenda.

Munter bleiben!

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