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25/366 Zu Gast bei Rudolf Steiner

Moin zusammen!

Vor etwas einem halben Jahr hatte die Mit-Patentante vom Patenkind meines Lieblingsmenschen angefragt, ob ich der Tochter einer befreundeten Familie ein paar Tipps in Sachen Fotografie geben könnte. Das Mädel geht in die achte Klasse einer Waldorfschule und in diesem Jahrgang machen die SuS eine Jahresarbeit. Also ein selbstgewähltes Projekt zusätzlich zur regulären Schularbeit. Die Tochter würde „Lost Places“ fotografieren wollen, hätte aber nicht so den rechten Plan, wie das mit einer digitalen Spiegelreflex ginge. Wir trafen uns zwei, drei Mal für die Grundlagen, später dann noch einmal für die Bildbearbeitung. Heute war der Tag der Präsentation, ich war herzlich eingeladen. Selbstmurmelnd habe ich mir den Besuch einer Waldorfschule nicht nehmen lassen. Man hört ja so viel!

Letztlich war die ganze Veranstaltung doch sehr ernüchternd. Wenn die Kids ein Jahr an ihren Projekten arbeiten, uralte Bollerwagen restaurieren, imkern oder Konzertgitarre lernen, Lieder komponieren oder Choreographien erarbeiten, Mofas wieder flott machen, in Polen, um den Verfall fotografisch zu dokumentieren, durch verlassene Schlösser kraxeln und noch viele andere tolle Sachen mehr, dann würde ich denken, dass sich die Schule alle erdenkliche Mühe gibt jede Form der kreativen Präsentation zu unterstützen. So war es leider gar nicht. In einer kleinen Halle – einem Sakralbau nicht unähnlich – musste jedes Kind vor den ca. 150 Eltern einen Vortrag über das gewählte Projekt halten (dazu durften Bilder über einen Beamer gezeigt werden). Das zog sich durch den ganzen Freitag und den heutigen Samstag! Nichts für ungut, aber meine Konzentration war nach den nur 90 Minuten, die ich heute vor Ort war, erschöpft. Während den Worten (leider nicht mittels Mikrophon verstärkt) sehr viel Raum eingeräumt wurde, mussten sich die Werke der SuS  förmlich an den Rand des Raumes quetschen. Jeder hatte einen kleinen Tisch und dahinter gerade genug Fläche, um sich selbst hinzustellen. Ich fand das leider sehr lieblos. Warum macht die Schule solche Vorgaben? Warum können sich die SuS frei für ein Thema entscheiden, werden dann aber bei der Vorstellung ihrer Arbeiten so in den Gleichschritt gezwungen? Statt Vortrag wäre ein Film denkbar gewesen oder eine Slide-Show. Statt Tisch eine Pinnwand. Statt alle in einem Raum, hätte man sich im Gebäude/auf dem Gelände verteilen können. Ich hab’s nicht verstanden. Endgültig den Kopf geschüttelt habe ich, als ich hörte, dass die SuS, die im nächsten Schuljahr ihre Projektarbeit machen, ihren Vortrag handschriftlich zu Papier bringen müssen. Meine Nachfrage, ob es denn auch ein Federkiel und das Blut eines bei Vollmond geopferten Einhorns sein müsse, traf auf wenig Verständnis. Rudi, ganz ehrlich: Das machte wenig Lust auf mehr!

Munter bleiben.

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